Ihr seid systemrelevant! Ihr leistet einen existenziellen Beitrag dazu, dass Ärzt*innen, Pfleger*innen, Sanitäter*innen, Feuerwehrkräfte, Polizist*innen, Eure Kolleg*innen in den Kitas und viele andere ihre Arbeit machen können, um uns alle durch diese Krise zu bringen.

Daher bitten wir Euch, achtet auf Euch und Eure Gesundheit und die Gesundheit der Euch anvertrauten Kinder. Um Euch zu unterstützen, haben wir hier Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengestellt, die nach heutigem Kenntnisstand als sinnvoll gelten und deren Beachtung wir empfehlen.

Was ist SARS-CoV-2 (Coronavirus) und wie wirkt es?

Der offizielle Name des Coronavirus lautet SARS-CoV-2, während die Krankheit, die das Virus auslöst, COVID-19 genannt wird (WHO 2020). Mitte der 1960er Jahre wurden Coronaviren erstmals identifiziert. Menschen und verschiedene Tiere (u. a. Vögel und Säugetiere) können sich infizieren. Beim Menschen lösen Coronaviren verschiedene Krankheiten aus, die unterschiedliche Schweregrade erreichen können. Von Erkältungen bis hin zu schweren und potenziell tödlichen Erkrankungen wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) (RKI 2020a). Gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen oder älteren Menschen zeigen sich schwierige lebensbedrohliche Krankheitsverläufe.

Das Coronavirus überträgt sich vermutlich hauptsächlich über die Tröpfcheninfektion. Möglich sind aber auch Schmierinfektionen und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen (RKI 2020b). Weitere Erkenntnisse zur Entstehung und Bekämpfung des Virus gibt es bislang nicht.

Wer sollte keine Notbetreuung übernehmen?

Geht solidarisch miteinander um und schützt Kolleg*innen, die besonders gefährdet sind.

Das Robert Koch-Institut (RKI) (RKI 2020b) hat eine Liste mit Indikatoren veröffentlicht, die beschreiben, welche Menschen ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Gefährdete Personengruppen sind hier einsehbar: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html

Kolleg*innen, die so vorbelastet sind und damit besonders gefährdet, sollten nicht zu Notdiensten herangezogen werden.

Wie sollten Abläufe in der Kindertageseinrichtung organisiert werden?

Wichtig ist, um Virenübertragungen in den Kindertageseinrichtungen zu vermeiden bzw. einzudämmen, die Kontaktkreise möglichst klein zu halten, d. h. kleine Kindergruppen mit wenigen konstanten Bezugserzieher*innen einzurichten. Sinnvoll ist es, wenn mehrere Gruppen in einer Kita betreut werden, den Kontakt zwischen den Gruppen zu unterbinden. Auch die Fachkräfte der Gruppen sollten möglichst Abstand (mind. 2 Meter) voneinander halten.

Im Eingangsbereich der Kita sollte eine Begrüßungs- und Verabschiedungszone für Eltern eingerichtet werden, damit Eltern die Kita nicht betreten.

Besucher*innen (wie z. B. Journalist*innen, Politiker*innen) sollen die Kita ebenfalls nicht mehr betreten. Anfragen können telefonisch oder per Mail beantworten werden. Das gleiche gilt für Lieferant*innen, die ihre Waren vor der Eingangstür abstellen sollen.

Welche Hygienemaßnahmen sind zu ergreifen?

Basishygiene

Um den Übertragungsweg zu durchbrechen, ist regelmä- ßiges gründliches Händewaschen (mindestens 20 Sekunden) nötig. Wichtig dabei ist, die Handflächen, den Handrücken, die Fingerzwischenräume, den Daumen und die Fingernägel zu reinigen. Es senkt die Keime an den Händen auf bis zu ein Tausendstel. In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass sich beispielsweise das Risiko von Durchfallerkrankungen durch gründliches Händewaschen fast halbiert (BZgA 2020). Weitere Informationen zum gründlichen Händewaschen gibt es hier: https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/.

Zudem gilt, sich an die Nies- und Hustregeln zu halten, auf Händeschütteln zu verzichten, sich nicht ins Gesicht zu fassen, Abstand zu halten und bei Atemwegssymptomen zu Hause zu bleiben (RKI 2020a).

Tipp für das Händewaschen mit Kindern: Beim Händewaschen z. B. zwei Mal „Happy Birthday“ singen, damit 20 Sekunden gefüllt werden.

Welche Desinfektionsmittel wirken?

Nach Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) (2020a) sind zur chemischen Desinfektion Mittel mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (Wirksamkeit gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ zu verwenden. Geeignete und getestete Mittel sind unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Desinfektionsmittel/Desinfektionsmittellist/Desinfektionsmittelliste_node.html einzusehen.

Weitere (Hygiene-)Maßnahmen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat bisher keine Empfehlungen für Hygienemaß- nahmen in Kindertagesstätten veröffentlicht (BAuA 2020). Wie auch in anderen Einrichtungen ist, aktuell aber auch hier besonders auf Hygienemaßnahmen zu achten. Zusätzlich zu den routinemäßigen Hygienemaßnahmen in Kindertagesstätten (vgl. bspw. Vorgaben des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: https://www.lgl.bayern.de/downloads/gesundheit/hygiene/doc/hygienemassnahmen_kindertageseinrichtungen.pdf), ist empfehlend vorzunehmen (vgl. RKI 2020c; RKI 2020d; DGUV 2020):

  • Täglich/bei Verschmutzung: Wischdesinfektion der (Handkontakt-)Flächen (z. B. Türgriffe, Nassbereiche, Tische) mit einem Flächendesinfektionsmittel mit nachgewiesener, mindestens „begrenzt viruzider“ Wirksamkeit.

  • Bei Bedarf sind Desinfektionsmaßnahmen auf weitere Flächen auszudehnen.

  • Alle Gebrauchsgegenstände, Spielsachen etc. sind regelmäßig mit einem Flächendesinfektionsmittel mit mindestens „begrenzter viruzider“ Wirksamkeit zu reinigen.

  • Geschirr auf 60 °C waschen.

  • Wäsche/Textilien können einem desinfizierenden Wäschedesinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste zugeführt werden und bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Anschließend sollen die Textilien gut getrocknet werden.

  • Handtücher sollen immer nur von einer Person genutzt werden.

  • Als Taschentücher sind Einwegtücher zu verwenden, die nach Benutzung sofort entsorgt werden. Die Entsorgung von Abfällen, die mit Sekreten oder Exkrementen kontaminiert sind, ist regelmäßig durchzuführen.

  • Bad- und Toilettenoberflächen sollten mindestens einmal täglich mit einem Flächendesinfektionsmittel (mindestens „begrenzt viruzid“) gereinigt und desinfiziert werden.

  • Regelmäßiges Lüften.

  • Begrenzung der Personenanzahl pro Raum.

  • Notfallpläne erstellen (vgl. https://www.dguv.de/de/praevention/themen-az/biologisch/faq-coronavirus/index.jsp).

Persönliche Hygiene

Anders als Pflegekräfte und Ärzt*innen habt Ihr keine Arbeits- und Schutzkleidung, da wir jedoch nicht genau wissen, ob sich das Virus auch an der Kleidung, in den Haaren oder an anderen Körperteilen als den Händen befinden kann, solltet Ihr bei Eurer Ankunft zu Hause nach der Arbeit:

  • die Kleidung ablegen und bei mind. 60 Grad waschen

  • Duschen und Haare waschen Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies ist unser heutiger Kenntnisstand. Sobald wir neues erfahren, werden wir euch informieren.

Passt gut aufeinander auf. Gerade in Zeiten der Not ist solidarisches Handeln gefragt!

Aktuelle Informationen halten wir bereit auf: www.verdi.de


Quellen:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2020): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu SARS-CoV-2. Online abrufbar unter: https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/FAQ_node.html (Zugriff am 17.03.2020).

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2020): Händewaschen. Online abrufbar unter: https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/ (Zugriff am 17.032020).

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2020): FAQ Coronavirus disease (COVID-19). Online abrufbar unter: https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/biologisch/faq-coronavirus/index.jsp (Zugriff am 17.03.2020).

Robert Koch-Institut (2020a): Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2. Online abrufbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html (Zugriff am 17.03.2020).

Robert Koch-Institut (2020b): Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Online abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html (Zugriff am 17.03.2020).

Robert Koch-Institut (2020c): Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2. Online abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Zugriff am 17.03.2020).

Robert Koch-Institut (2020d): Hinweise zum ambulanten Management von COVID-19-Verdachtfällen und leicht erkrankten bestätigten COVID-19-Patienten. Online abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ambulant.html#doc13726274bodyText14 (Zugriff am 17.03.2020).

World Health Organization (2020): Naming the coronavirus disease (COVID-19) and the virus that causes it. Online abrufbar unter: https://www.who.int/emergencies/diseases/novelcoronavirus-2019/technical-guidance/namingthe-coronavirus-disease-(covid-2019)-and-the-virus-that-causes-it (Zugriff am 17.03.2020).

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