Stellungnahme des Fachbereichs Gemeinden, Fachgruppe Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe zum Eckpunktepapier zur Implementierung einer Erzieherinnen-/ Erzieherausbildung mit Ausbildungsvergütung in Baden-Württemberg

Der ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg schließt sich der Stellungnahme des DGB-Bezirks Baden-Württemberg an. Darüber hinaus möchte er folgende Probleme verstärkt in den Fokus rücken:

1. Beteiligung der Gewerkschaften

Der Städtetag verweist in seinem Schreiben vom 22.12.2011, das in den Verhandlungen zwi­schen Trägerverbänden, Gemeindetag, Städtetag und Kultusministerium die im Entwurf des Eckpunktepapiers aufgeführten Rahmenbedingungen festgelegt wurden. Die Gewerkschaf­ten waren an diesen Verhandlungen nicht beteiligt, sondern Vertreter der Arbeitgeber und das Ministerium. Sollten die Rahmenbedingungen tatsächlich nicht mehr verändert werden können, besteht unsererseits der Eindruck, dass die Kompetenz der Gewerkschaften in die­sem Verhandlungsprozess nicht gewünscht war. Einige der im Entwurf des Eckpunktepapiers aufgeführten Rahmenbedingungen (z.B. Anrechnung der Fachkräfte in Ausbildung auf den Stellenschlüssel) lassen sogar vermuten, dass es nicht um eine Steigerung der Attraktivität der Ausbildung gehe, sondern die Fachkräfte in Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher als billige Arbeitskräfte gesehen werden, die den Fachkräftemangel lindern sollen.

Der ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg erwartet vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg eine entsprechende Klarstellung, dass der Entwurf veränderbar ist.

2. Arbeits- und Einkommensbedingungen

Grundsätzlich sollen die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Fachkräfte in Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher in Tarifverträgen geregelt werden. Der Vorschlag, sich bei der Höhe der Ausbildungsvergütung an der eines/r Verwaltungsfachangestellten zu orientie­ren, ist willkürlich. Die Tätigkeiten von ErzieherInnen und Verwaltungsfachangestellten sind nicht vergleichbar. Eine größere Ähnlichkeit, nämlich die Ausübung eines sozialen Berufs, be­steht hingegen mit der Krankenpflege, deren Ausbildung ebenfalls dual orientiert ist. Die Ar­beitgeber konkurrieren teilweise um die gleichen Auszubildenden. Schlechtere Arbeits- und Einkommensbedingungen für die Fachkräfte in Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher sind ein Nachteil. Wir schlagen vor, die Bezahlung der Fachkräfte in Ausbildung zur Erziehe­rin/zum Erzieher bis zum Abschluss entsprechender tariflicher Regelungen an der von Kran­kenpflegeschülerinnen und –schülern zu orientieren. Diese beträgt seit 1.8.2011 im 1.Ausbildungsjahr 825,69 €, im 2. Ausbildungsjahr 887,07 € und im 3. Ausbildungsjahr 988,38 €.

Ferner sind alle weiteren Einkommensbestandteile zu zahlen, die in den Tarifverträgen für Auszubildende des öffentlichen Dienstes bzw. im Besonderen Teil Pflege vorhanden sind. Dabei handelt es sich um

  • eine jährliche Sonderzahlung in Höhe von 90% der Ausbildungsvergütung, zahlbar mit der Novembervergütung,

  • die Zahlung einer Abschlussprämie von 400 € bei erfolgreich absolvierter Ausbildung

  • die Gewährung von Zulagen und Zuschlägen (mit Ausnahme des Leistungsentgelts), wie sie den beim Ausbildenden Beschäftigten zustehen,

  • die Kosten der Übernahme für eine Familienheimfahrt monatlich bei auswärtiger Unterbringung sowie

  • die Übernahme der Reisekosten zur Fachschule für Sozialpädagogik, wenn sich diese außerhalb der Gemeindegrenze befindet, in der die Ausbildungseinrichtung liegt.

Die Arbeitszeit und der Urlaub richten sich nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öf­fentlichen Dienstes (TVAöD). Der Urlaub ist in der unterrichtsfreien Zeit zu nehmen und zu gewähren.

3. Verhältnis zwischen Theorie und Praxis

Die theoretische Ausbildung an den Fachschulen für Sozialpädagogik sollte im Blockunter­richt stattfinden. Eine tageweise Abwesenheit während der Woche erschwert den Auszubil­denden die Integration im Team, wichtige Ausbildungsinhalte, wie z.B. die Umsetzung des Orientierungsrahmenplans und des pädagogischen Konzepts des Trägers sowie deren Vor- und Nachbereitung, können nur teilweise vermittelt werden. Den Kindern erschwert die ta­geweise Abwesenheit, eine Bindung zur Fachkraft in Ausbildung zu entwickeln und sie als Be­zugsperson anzusehen.

Der Blockunterrichtmuss so liegen, dass die Auszubildenden den jahreszeitlichen Ablauf in der Einrichtung vermittelt bekommen. Zudem ermöglicht er es leichter zu organisieren, dass die Auszubildenden die Einblicke in den Bildung und Erziehung von Schulkindern und Jugend­lichen nehmen können.

Zugangsregelung

Der ver.di-Landesbezirk lehnt die Anerkennung einer mindestens zweijährigen Tätigkeit als Tagespflegeperson in Vollzeit ab. Im Extremfall genügt eine zweijährige Tätigkeit als Tages­pflegeperson für ein Kind, um das einjährige Berufskolleg zu ersetzen.

Anmerkung:
Dies wurde im zwischen Kultusministerium, kommunalen Spitzenverbänden und Kirchen geeinten Eckpunktepapier vom 5. März 2012 geändert: Nun ist eine mindestens zweijährige kontinuierliche Tätigkeit in Vollzeit als Tagespflegeperson mit mehreren Kindern (über Pflegeerlaubnis zugelassen) sowie ein 6wöchiges Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung.

Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert

(C) 2015 ver.di Bezirk Stuttgartzuletzt aktualisiert: 07.03.2018