Bildung ist Ländersache. Daher gibt es in Deutschland unterschiedliche Regelungen, wie viel Personal eine Kindertagesstätte benötigt. Der Personalschlüssel regelt die Anzahl der pädagogischen Fachkräfte pro Gruppe und die Höchst-Gruppengröße.

In Baden-Württemberg finden sich diese Regelungen in der KiTaVO. Im Schnitt der verschiedenen Betreuungsangebote kam im August 2013 eine pädagogische Fachkraft auf 11 Kinder. Die Landesregierung erhöhte im Jahr 2013 mit dem sog. „Flexibilisierungspaket“ die Gruppengrößen zeitlich befristet auf 1-2 Plätze mehr. Außerdem können bis zu 20% der Plätze in den Gruppen auch an zwei Kinder mit einem Betreuungsbedarf jeweils in Teilzeit vergeben werden („Platzsharing“). Für die Beschäftigten bedeutet das auch 20% mehr Elterngespräche und 20% mehr individuelle Bildungspläne erstellen. Ohne Anpassung des Schlüssels, geschweige denn des Gehaltes.

In der Praxis kommt es flächendeckend vor, dass vorgegebene Personalschlüssel immer wieder unterschritten werden. Das liegt nicht nur daran, dass die eingerechneten pauschalen Prozente für Leitungsfreistellungen, Krankheit und Fortbildungstage in der Praxis nicht ausreichen, sondern auch daran, dass der reine mathematische Schlüssel an die Dienstplanung echter Personen in der KiTa angepasst werden muss. Ein großes Problem ist der Fachkräftemangel im Erziehungsbereich. Es gibt viele offene Stellen und die Träger der Einrichtungen reagieren nicht mit einem Aufnahmestopp, sondern lassen den vollen Betrieb unterbesetzt weiterlaufen. Das sollte eigentlich nicht passieren, denn der Kommunalverband für Jugend und Soziales überwacht den Personalschlüssel und er vergibt auch die Betriebserlaubnisse für KiTas. Unsere praktische Erfahrung zeigt, dass die Überwachung an dieser Stelle oftmals zu lax gehandhabt wird.

Die Auseinandersetzung um bessere Personalschlüssel ist wichtig, sie muss auf betrieblicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene geführt werden. Sie kann nicht Gegenstand der Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst sein. Doch der Personalschlüssel bestimmt den Arbeitsalltag und maßgeblich die Qualität von Kindertageseinrichtungen für Beschäftigte, Kinder und Eltern. Darum haben wir die Kampagne „SOS Kita“ ins Leben gerufen. Wir setzen uns weiterhin für eine Erhöhung des Schlüssels und bessere Arbeitsbedingungen ein.

Wie kann ein besserer Personalschlüssel aussehen?

ver.di Baden-Württemberg stellt sich eine ausreichende Fachkraft-Kind-Relation so vor:

Kinder im Alter von 0-24 Monaten: 1 Fachkraft zu 3,5 Kindern
Kinder im Alter von 24-36 Monaten: 1 Fachkraft zu 5 Kindern
Kinder im Alter von 36 Monaten bis Schuleintritt und älter: 1 Fachkraft zu 9 Kindern

Weitere Vorstellungen haben wir in unserem Entwurf für ein Kindertagesstätten-Gesetz zu Papier gebracht.

„Was kann ich tun?“

Bei kommunalen Arbeitgebern lohnt es sich, in Kontakt mit Euern Gemeinderäten oder Landtagsabgeordneten zu treten. Fragt sie, wie sie denken, eine gute Betreuung gewährleisten zu können. Halten sie den Personalschlüssel für angemessen? Wie wichtig ist ihnen die Situation in unseren Kindergärten?

Wenn Ihr selbst in einer KiTa beschäftigt seid, sprecht mit Euren Personalräten über die Situation! Organisiert Euch in ver.di und vernetzt Euch mit Gleichgesinnten.

ergesst nicht, PolitikerInnen haben ein Interesse am Wohlergehen ihrer Wählerschaft, schließlich wollen sie wiedergewählt werden. Da macht sich so manch ein Leserbrief in einer Lokalzeitung stärker bemerkbar als man eventuell denkt. Wie wäre es mit einer „feierlichen“ Übergabe gesammelter Überlastungsanzeigen? Vielleicht habt Ihr auch schon eine tolle Idee im Kopf? Immer her damit! Steter Tropfen höhlt den Stein. Gemeinsam werden wir einen höheren Personalschlüssel erreichen! Unsere Arbeitskreise in Tamm und Kornwestheim haben beispielsweise fest in der KiTa verankerte Springer durchgesetzt. In Rüsselsheim gibt es einen Gemeinderatsbeschluss für verbindliche Leitungsfreistellungen. Diese Liste wollen wir weiterführen.

(C) 2015 ver.di Bezirk Stuttgartzuletzt aktualisiert: 07.03.2018