Offener Brief

Landrat Forchheim an den kommunalen Arbeitgeberverband

Forchheim, den 26.05.2015

sehr geehrte Damen und Herren,

vergangene Woche berichtete Oberfranken TV auch aus Forchheim über die anhaltenden Streiks in den Kitas.

Unter dem Motto: Maximale Belastung - Minimale Bezahlung gingen ein Großteil der Forchheimer Erzieher und Erzieherinnen auf die Straße. Auch heute zieht ein Demonstrationszug über das Gelände des Landratsamtes.

Wir alle wissen, dass die Aufgaben und die Anforderungen an die Erzieher in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Entsprechend dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes beinhaltet die pädagogische Arbeit in den Kitas heute neben der Vermittlung von Basiskompetenzen auch die Stärkung von lernmethodischen Kompetenzen bei den Kindern. Erzieher sollen die Kinder zu einem eigenständigen und nachhaltigen Lernen befähigen. Sie legen damit die Grundlagen für das Interesse, die Neugier am Unerforschten, die Bereitschaft, sich zu engagieren und legen damit die Voraussetzungen für ein ganzheitliches Lernen. Daneben führte auch der stets steigende Verwaltungsaufwand mit den vorgeschriebenen Dokumentationen und Entwicklungsberichten zu einer immer größeren Belastung des Personals.

Entsprechend unseren gesellschaftlichen Veränderungen müssen in den Kitas zunehmend Probleme, deren Ursache im häuslichen Umfeld liegen, aufgefangen werden. Erwäähnen möchte ich hier die ständig steigende Zahl von Kindern aus Haushalten mit geschiedenen Elternteilen oder aus Haushalten mit allein Erziehenden, Kindern mit Migrationshintergrund, die oft psychisch belastet sind und die den Erzieherinnen viel Kraft abverlangen. Hinzukommen die oft traumatisierten Flüchtlingskinder, die ein hohes Maß an pädagogischer Kompetenz erfordern. Trotz der durch die Flüchtlingskinder hohen Belastung des Erzieherpersonals ist hier unverständlicherweise bis dato keine Erhöhung des Personalschlüssels vorgesehen. Die Belastung der Erzieher ist ohne Zweifel immens. Es wundert daher nicht, dass immer mehr Erzieher dieser Belastung nicht mehr gewachsen sind und wegen Burnout ausscheiden.

Oftmals wird zudem die verschwindend geringe Männerquote gerade im frühkindlichen Bereich bemängelt. Angesichts der unzureichenden und zweifelsohne zu geringen Bezahlung der Erzieher verwundert diese Tatsache nicht, Männer als Bezugspersonen wären gerade im frühkindlichen Bereich jedoch wichtig und notwendig.

lch halte es daher für dringend geboten, die von den Erziehern gerade auch in den Kitas täglich zu leistende Arbeit zu honorieren und zu würdigen, und zwar durch eine angemessen Bezahlung. Dadurch bringt man ihnen auch die Wertschätzung entgegen, die sie verdienen.

Kinder sind unsere Zukunft- die Erzieherinnen und Erzieher gerade in den Kitas legen dafür die Grundlage.

mit freundlichen Grüßen,

Dr. Herrman Ulm
Landrat (Landkreis Forchheim)

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