Solidaritätsadresse des BR der Rhön-Klinikum AG

für die streikenden Beschäftigten im Sozial und Erziehungsdienst

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als Konzernbetriebsrat der RHÖN-KLINIKUM AG, übermitteln wir euch unsere herzlichsten Grüße und erklären, dass sich der Konzernbetriebsrat mit euch in eurem Kampf, um die zwingend notwendige gerechtere Bewertung und Bezahlung der Erziehungs- und Sozialberufe, solidarisiert.

Ihr kommt aus den unterschiedlichsten pädagogischen und verwandten Berufen. Ihr arbeitet in Kitas und Ganztagsschulen, im Allgemeinen Sozialdienst, in der Jugendgerichtshilfe, in Krankenhäusern, Psychiatrien und Reha-Einrichtungen, als Leben- und Konfliktberater, als Heilpädagogen und als Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderungen in der Behindertenhilfe, als Erzieher und vielen weiteren wichtigen Institutionen und Organisationen. Uns ist bewusst, dass ihr euch die Entscheidung für den momentan ausgesetzten Streik angesichts eurer täglichen Verantwortung in den Einrichtungen nicht leicht gemacht habt. Wir haben mitbekommen, dass ihr deshalb unter erheblichem Druck der Öffentlichkeit steht. Doch die Arbeitgeber haben euch keine Wahl gelassen. Eins ist klar, eure Arbeit ist mindestens genauso wichtig und wertvoll wie besser bezahlte Tätigkeiten in anderen Branchen, z.B. im produzierenden Gewerbe. Eure Qualifikationsanforderungen sind hoch und ihr tragt eine hohe Verantwortung für andere Menschen. Allein das würde euren Kampf schon rechtfertigen.

Euer Tarifkampf hat aber noch eine weitere Dimension, die uns nicht ganz fremd ist. Die Aufwertung eurer Berufe führt letztlich auch dazu, dass unsere Gesellschaft wieder sozialer wird und die Schere zwischen Arm und Reich wieder ein wenig geschlossen wird statt ständig weiter auseinander zu gehen. Zur Gerechtigkeit gehört auch, dass für die sozialen Aufgaben ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um allen Kindern, Jugendlichen, Menschen mit Behinderung die bestmögliche Bildung und Betreuung zu bieten und den Menschen in Problemlagen, wirksam helfen zu können. Die Absicherung der genannten Grundbedürfnisse darf nicht zum Privileg der Besserverdienenden werden! Lange sind nicht mehr so viele Steuern eingenommen worden und der Bund hat angeboten, in der Flüchtlingshilfe Kosten zu übernehmen. Am Geld kann es also nicht scheitern. Und auch einen weiteren Aspekt wollen wir aus eigener Erfahrung lobend hervorheben. Ihr wehrt euch mit eurem Arbeitskampf gegen die grundsätzliche Schlechterbewertung von frauendominierten Tätigkeiten wie wir sie auch aus unserer Branche kennen. Über 23% beträgt diese Geschlechter- Lohnlücke in der Bundesrepublik laut OECD. Somit kämpft ihr gegen die fortwährende Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben – im Namen aller Kolleginnen.

Weder in den Verhandlungsrunden noch während des Streiks hatte es substantielle Fortschritte gegeben. Die kommunalen Arbeitgeber betätigen sich als Blockierer. Deshalb habt ihr die Arbeit niedergelegt. Durch den Arbeitskampf kam es auch zu Beeinträchtigungen für die in den Einrichtungen der RHÖN-KLINIKUM AG und der mit ihr verbundenen Gesellschaften beschäftigten Mütter und Väter. Trotzdem unterstützt der Konzernbetriebsrat der RHÖN-KLINIKUM AG das Anliegen der Streikenden. Die kommunalen Arbeitgeber sind nun aufgefordert, im Rahmen der Schlichtung und den anschließenden Verhandlungen endlich eine substanzielle Verbesserung vorzulegen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir stehen in dieser Auseinandersetzung fest an eurer Seite.

Bad Neustadt an der Saale, 17.06.2015

Björn Borgmann
Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der RHÖN-KLINIKUM AG

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