Nachdem es am Mittwochabend zu einem Ergebnis in der Tarifverhandlung im Sozial- und Erziehungsdienst kam, wurde es am heutigen Donnerstag durch die Bundestarifkommission angenommen. Dem vorausgegangen war die bundesweite Streikdelegiertenkonferenz, bei der am Ende fest stand, dass die Weichen auf Urabstimmung stehen. Die Stuttgarter VertreterInnen haben dennoch dort deutlich gemacht, warum aus ihrer Sicht die Einigungsempfehlung nicht angenommen werden kann. Diese Position wurde von einem Teil der Streikdelegierten aus anderen Städten und Bundesländern ähnlich gesehen. Auch wenn die Einigungsempfehlung bei den Anwesenden keine Begeisterungsstürme auslöste, hat sich trotz Kritik die Mehrheit für die Annahme ausgesprochen.

Ab Mitte nächster Woche beginnt voraussichtlich die Urabstimmung, bei der die Einigungsempfehlung zur Abstimmung steht. Näheres wird dazu noch bekanntgeben.

Stuttgarter Streikdelegiertenkonferenz

Am 30.09. fand in Stuttgart eine Delegiertenkonferenz statt, bei der mehr als 100 Delegierte die vorliegende Einigung diskutierten. Dabei wurde deutlich, dass diese Einigung keine Aufwertung darstellt. Die Delegierten erklärten, dass sie weiterhin streik- und kampfbereit sind und es deshalb keinen Grund für sie gibt, die Einigung anzunehmen.

Die Kritik an der Einigungsempfehlung machte sich im Wesentlichen daran fest, dass sie materiell nur unwesentlich besser als der Schlichterspruch ist, auch wenn beispielsweise die Soziale Arbeit (S 14) jetzt mit Erhöhungen versehen worden ist. Auch gibt es für ErzieherInnen keine essentiellen strukturellen Veränderungen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die lange Laufzeit des Tarifvertrages - darüber täuschen auch die vereinbarten Evaluierungsgespräche für 2019 nicht hinweg.

Wie weiter?

Bemerkenswert ist, dass die Stuttgarter Streikdelegiertenkonferenz in großer Geschlossenheit das Ergebnis als unzureichend bewertet hat. Stuttgart ist gut aufgestellt und weiterhin – auch mit einer neuen Streikstrategie - kampfbereit.

Grundsätzlich bleibt – bei aller Kritik - festzustellen, dass es natürlich Entgeltzuwächse gegeben hat, auch wenn viele sich etwas anderes erhofft haben. Es gibt deshalb keinen Grund zur Resignation und Gewerkschaftsaustritt. Das ist der falsche Weg, da sich die Arbeitgeber letztendlich nicht auflösen. Stattdessen müssen wir jetzt vor Ort die Auseinandersetzung viel stärker als bisher führen. Nutzen wir die gewonnenen Erfahrungen um auch zukünftig Stärke zu zeigen!

(Anmerkung: Die nächste Tarifrunde um eine weitere Erhöhung der Entgelte steht 2016 an. In der Tarifrunde im Öffentlichen Dienst 2016 geht es um alle Beschäftigten, also auch um den Sozial- und Erziehungsdienst. Deshalb gilt: gut aufstellen, weitermachen, mehr erreichen!)

  • Ich bin nach wie vor gegen das ergebnis. Ich verstehe das einfach nicht warum wir jetzt die füsse still halten sollen?! Und warum ich mich mit den paar prozenten abspeisen lassen soll. Soviele versprechungen und jetzt den schwanz einziehen. Hat die Politik soviel druck gemacht weil mal wieder kein Geld da ist, aber die diäten unser politiker können um rund 10% erhöht werden dafür ist dann das Geld da. Es muss weiter gestreikt werden und druck aufgebaut werden sonst schaffen wir die Aufwertung nie.

    Kommentar von: katrin - 03.10.2015, 12:05
  • Erzieher sind in Deutschland sehr wenig wert...

    ...das ist wohl die Aussage, die man treffen muss, wenn diese "Schlichtung" angenommen wird. Auch wenn der Zorn in erster Linie gegen die starren und unsozialen Kommunalen Arbeitgeber geht, der Verdi-Kurs ist leider diesen Herbst zum Kuschel-Kurs geworden. Und die Erzieherinnen sind nicht nur die Verliererinnen sondern auch noch demotiviert. Schade- eine traurige Geschichte. Eine mutige und beharrliche Interessensvertretung wie die Gdl wäre mir da lieb...
    So ist die Geschichte schlecht für alle, und letztlich auch für die Kinder.

    Kommentar von: Thomas - 03.10.2015, 13:41
  • Wessen Gewerkschaft seid ihr?

    Aus Zeitpunkt und Charakter des Abschlußes kann man wohl nur zwei Dinge herauslesen. Interne Diskussionen sollten bis zur Wiederwahl von Machtmensch Bsirske verschoben werden. Und weiter hilft er wohl eher den höheren Lohngruppen. Wenn die Leitungen ruhig gestellt sind, kann man die, die tägliche Arbeit in den Gruppen machen besser klein halten.
    Und dann noch ein Abschluss für 5Jahre. Bloß kein Stress mehr mit den kampfbereiten Erzieherinnen und Erzieher.
    Das erinnert schon fast ein bischen an die Dekadenz zum Ende der DDR. Da wurde auch dem einfachen Volk jeden Tag Wasser gepredigt und die Obrigkeit war mit Machterhalt und Privilegien Sicherung beschäftigt. Es wird Zeit das ein Ruck durch die Gewerkschaft geht, von dem eine Neuausrichtung auf die die das Geld am dringendsten benötigen.

    Kommentar von: Jürgen - 04.10.2015, 07:59
  • Wieder einmal sollen Jüngere profitieren

    Ich stimme euch zu. Mit Aufwertung hat dieses Ergebnis nichts zu tun. Und wieder einmal sollen Jüngere stärker profitieren. Nachdem ich schon bei der letzten Runde 2009 leer ausgegangen bin, finde ich das nicht lustig!! Die Leitungen werden auch nur in der S 7 wirklich besser gestellt. Da waren die AG ja auch extrem unter Zugzwang, weil sie die Stellen nicht mehr besetzen konnten. Der Schutz vor Herabgruppierung wg. gesunkener Kinderzahlen fiel sogar schlechter aus als bei der Schlichtungsempfehlung, da standen 5 Jahre nun nur noch 3!! Die Verzögerungstaktik mit Schlichtung usw. war von Verdi absolut nicht in Ordnung und wird viele Mitglieder kosten. Vor allem in den Kommunen mit freiwilligen Zulagen, die jetzt natürlich gestrichen werden, gehen die KollegInnen mit Null aus der Tarifrunde. Die sind begeistert!! Dass Kollege Bsirkse ausgerechnet jetzt wieder gewählt wird, stinkt zum Himmel und verärgert Viele noch mehr. Ich finde Gewerkschaft weiter sehr wichtig, weiß aber noch nicht wie ich mit dieser Enttäuschung umgehe! Schade, denn ich habe hier tolle Menschen kennen gelernt. Bisher gibt es für mich auch keine Alternative, aber wer weiß.... Rufe nach einer eigenen Gewerkschaft für den Erziehungsbereich werden ja schon laut. Ich fordere alle Mitglieder auf, lasst Euch nicht verarschen und lehnt ab!!!!!

    Kommentar von: Doris - 04.10.2015, 08:41
  • Immer noch ein Schlag ins Gesicht

    Diese "Verbesserung" empfinde ich immer noch als Schlag ins Gesicht. Wesentliche Forderungen war auch die zwingende Anerkennung vorheriger Beschäftigungszeiten bei anderen Arbeitgebern. Gerade für Sozialarbeiter(innen) und Pädagogen/Pädagoginnen ist ein häufiger Arbeitsplatzwechsel normal. Viele Verträge sind ja "projektbedingt" befristet. Da sammeln sich leicht 20 Jahre berufserfahrung an und die Einstellung erfolgt (wieder) in Stufe 2.
    Und der viel ausgesprichene Vergleich mit den Dipl. Ing. kann für die kaum spürbare und doch eher zu vernachlässigende Lonerhöhung nicht Vorbikd gewesen sein.
    Ich wünsche mir eine Gewerkschaft, die solch ein Ergebnis nicht als Eerfolg schönredet, oder von einem "wichtigen Schritt in die richtige Richtung" schwadroniert. Ja, die Richtung stimmt, aber es ist doch eher ein verstohlener Blick, denn ein echter Schritt.
    Ich habe zwar nicht die Hoffnung, dass das Ergebniss in einer Urabstimmung abgelehnt wird, wünsche mir aber doch deutliche Zahlen.
    Ich wünsche mir von meinen Kolleginnen und Kollegen eine breite Absage an dieses "Verhandlungsergebnis" zu dem nichts weiter zu sagen ist. Vielleicht sollten wir über andere Köpfe nachdenken, die mehr Biss haben in den Verhandlungen und nicht freudestrahlend solche Ergebnisse verkünden.
    Vielleicht bin ich aber auch in der falschen Gewerkschaft.
    Belehrt mich eines besseren.

    Kommentar von: Tobias - 04.10.2015, 09:10
  • Wie wäre es denn mal mit einer Tabelle aller Gehaltsstufen mit dazugehörigen Fallgruppen, wo ich sehe, was ich mehr verdienen würde? Wie kann es sein, dass ich abstimmen soll, ohne tatsächlich zu wissen, was ich mer verdiene. Ich kann mir schon gut vorstellen, warum Herr Bsirske keine Tabelle online veröffentlicht. Kleiner Tipp schaut mal bei www.vka.de Ich werde dagegen stimmen und gegebenenfalls als Mitglied bei Verdi kündigen. die Laufzeit und das Ergebnis sind einfach ein Witz!!!Große Sprüche klopfen, nichts dahinter Herr Bsirske....

    Kommentar von: Peter Lustig - 04.10.2015, 19:02
  • Für mich steht jedenfalls fest, dass ich gegen den Tarifabschluss stimme. Eine geringe Zustimmung im Ergebnis setzt auch ein Signal!
    In der Öffentlichkeit haben wir uns bzw. ver.di sich lächerlich gemacht. Eine schwache Gewerkschaft mit einem Vorsitzenden, der selbst einen Haufen Geld verdient. Pah!

    Kommentar von: Marlene - 04.10.2015, 19:39
  • Ende der Bescheidenheit- Wir sind alle kampfbereit

    Ich werde mit Nein stimmen. ver.di hat so viele Fehler gemacht und möchte uns dieses Ergebnis jetzt als gute Zwischenlösung verkaufen. Das ist keine Zwischenlösung!! Es ist einfach nur eine Mogelpackung. Jeder von uns hat viel Zeit und Geld in diesen Streik investiert. Das kann nicht das Ende gewesen sein. Vor allem könnten wir gerade jetzt Druck machen. Die Städte sind mit der Verwaltung der Flüchtlinge total überfordert. Einen zusätzlichen Kita-Streik würden die nicht lange auffangen können. Ver.di hat seine Mitglieder wirklich hängen lassen. Ständig in Widersprüche verstrickt, wesentliche Schritte zu langsam gestaltet, strategische Fehlentscheidungen gefällt, etc. Die Liste der Versäumnisse ist sehr lang. Die Nachbesserungen, mit denen ihr euch jetzt brüstet, sind ein Witz im Verhältnis zu den Forderungen. Ihr habt wesentliche Forderungen einfach unter den Tisch fallen lassen: Eingruppierungen von pädagogischen Fachkräften an Gantagesschulen, KinderpflegerInnen in der Kita, Kindheitspädagogen, die einen akademischen Abschluss haben, Anrechnung von Stufenlaufzeiten etc. Des Weiteren lasst ihr euch auf eine Vertragsdauer von 5 Jahren ein. Ohne Worte!! Ich glaube, dass eine Aufwertung mit euch als Verhandlungsführer die nächsten 40 Jahre dauern wird. Wir brauchen den Gewerkschaftler der Bahn, der hat sein Ding durchgezogen und sich nicht ausnehmen lassen. Ihr werdet euch wundern, was die Urabstimmung bringen wird. Viele, die ich kenne, stimmen demonstrativ mit NEIN - AUFWERTUNG JETZT!! Mal sehen, was dann euer Schlachtplan ist.

    Kommentar von: Dennis - 06.10.2015, 20:12
  • An der Nase herumgeführt

    Den Vorrednern schließe ich mich an! Ich werde auf keinen Fall für das Ergebnis stimmen, alles andere wäre Verrat an mir selbst.

    Leider gibt es immer noch genug Erzieher, die sich mit S4 abspeisen lassen. So lange sich Erzieher auf solche Stellen einlassen, wissen die Arbeitgeber, dass sie damit durchkommen und von einem gewissen Teil der Berufsgruppe keine Aufwertung verlangt wird - und das zieht alle mit runter!

    Richtig an der Nase herumgeführt fühle ich mich hinsichtlich der langen Tariflaufzeit in Anbetracht der aktuellen Flüchtlingsthematik. Die Arbeitgeber wissen ganz genau, warum sie jetzt lieber noch schnell den Sozialarbeiterin in S14 ein paar Brotkrümmen vor die Füße werfen (30 Euro Brutto reichen nach steuerlichem Abzug vermutlich nicht mal für ne Packung Klopapier) in der Hoffnung, dass der Streik dann vorbei ist. Denn wenn wir die Flüchtlingsthematik in die nächsten Streiks mit einbringen würden, könnten wir NOCH VIEL MEHR VERLANGEN!
    Für die paar Prozente sollen wir die Arbeit, die in den nächsten 5 Jahren auf uns zukommt, machen?

    Schade, dass sich die meisten aus der Berufsgruppe mit weniger zufrieden geben. Man müsste sich für diese Selbstachtung schämen!

    Kommentar von: Jasi - 07.10.2015, 07:10
  • Wann ist jetzt diese Urabstimmung? ICh hätte gerne mal wieder Informationen?

    Kommentar von: katrin - 08.10.2015, 16:12
  • Einfach mal 25% mehr Lohn fordern...

    Ja, ich finde gut was Jasi sagt, einfach auch mal die Selbstachtung und den Respekt vor der hoch verantwortungsvollen Beruf ernst nehmen.
    Statt dessen Altersarmut ... und Familie ernähren klappt da eben auch nicht wirklich gut.
    Wir sollen den Kindern Anstand und Werte vermitteln und werden sehr unanständig und erniedrigend bezahlt.
    Die Arbeitgeberseite hat dann noch betont wie hochgegriffen es ist 10% im Durchschnitt zu fordern....
    Quatsch.
    Einfach mal 25% mehr Lohn fordern!!!
    Es gibt genügend und sogar immer mehr extrem Reiche in diesem Land, denen es gut tun würde ein paar Millionen an soziale Berufe zu verlieren....

    Kommentar von: Thomas - 11.10.2015, 11:30
  • Ich stimme mit nein!

    Mit Aufwertung hat dieses Schlichtungsergebnis nichts zu tun. Wir werden nur ausgebremst.
    Weiß Frank Bsirske der großen Ver.di eigentlich,wen er vertritt?Ist das hier eine Gewerkschaft für SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen?

    Kommentar von: Tina - 22.10.2015, 10:50

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